|

Die Schmelz ist ein zwischen Wienfluss und Ottakringerbach
aufsteigender Hügel, dessen Flanken zu Wien ca. 60 Meter, zum
Ottakringerbach ca. 29 und zum Gürtel ca. 30 Meter hin abfallen. Dieser
Hügel bildet die Wasserscheide zwischen den genannten Gewässern.
Von der Geschichtsforschung konnte die Herkunft des Namens Schmelz
bisher nicht eindeutig geklärt werden, doch wird angenommen, dass dieser
von den hier befindlichen "Schmelzen" zur Metallgewinnung, die bis zum
Jahr 1865 hier bestanden haben sollen, herrührt. Hier wurden die
Schmelzarbeiten für das Heer vorgenommen, die wegen ihrer Gefährlichkeit
im verbauten Gebiet verboten waren. Geschichtlich belegt ist, dass
Napoleon im Zuge der Ereignisse des Jahres 1809 eine Truppenschau seiner
Soldaten auf dem Gebiet der Schmelz abgehalten hat. Um 1847 wurde das
Gebiet von der Staatsverwaltung erworben und als Exerzierplatz für die
Wiener Garnison verwendet. Für die Bevölkerung war das Gelände der
Schmelz bis in den frühen Nachmittag gesperrt. Trotzdem war diese weite
Fläche des Exerzierplatzes schon damals das einzige Luftreservoir für
diesen Stadtteil. Das Jahr 1865 war für den in Mariahilf ansässigen
Siegfried Marcus von Bedeutung. In diesem Jahr führte er die ersten
Testfahrten mit dem von ihm erfundenen Automobil auf dem Geländer der
Schmelz durch.
Als Gründungshelfer für unseren Verein und unterstützender
Organisator wird der damals im 16. Bezirk bestehende
Schrebergartenverein ""Am Nordrand der Schmelz" genannt. Vorerst wurde
die gesamte Fläche parzelliert und die Wege und Durchzugsstraßen
angelegt. Gleichzeitig erfolgte der Bau einer ersten Wasserleitung, die
eine große Summe erforderte. In mühevoller Arbeit wurde der Boden mit
Krampen und Schaufeln bearbeitet, und durch eisernen Fleiß und
unermüdlichen Arbeitswillen in fruchtbares Land umgewandelt. 1919 wurde
am Ostrand der Schmelz, der äraische Grundanteil an die Gemeinde Wien
verpachtet. Von der Heeresverwaltung wurde im gleichen Jahr eine Fläche
von 65.000m² für die Anlage von Kleingärten freigegeben. Auf dieser
Fläche entstanden die sogenannten Kriegsgemüsegärten. Es sind diese die
Vorläufer unserer heutigen Kleingärten.

Bereits 1920 erreichte die Fläche der Schrebergärten auf der Schmelz
ein Ausmaß von ca. 152.000 m² und somit ist sie die größte
Kleingartenanlage im verbauten Stadtgebiet in Mitteleuropa. Im
gleichen Jahr wurde der Verein Freie Vereinigung der Schrebergärtner
Zukunft gegründet. Im Jahr 1921 wurde eine Bestandregelung dahingehend
getroffen, dass der Bundesschatz einen bis 31. Dezember 1929 befristeten
Pachtvertrag über das genannte Flächenausmaß abschloss und der Gemeinde
Wien die gesamte Fläche der Zukunft in Subpacht übergab. Im Zuge des
Ausbaues der Gartenanlage wurden 1927 die Straßen in der Anlage
beleuchtet, die alten Stacheldrahtumzäunung entfernt und durch einen
neuen Zaun ersetzt. Mit Beschluss des Gemeinderates vom 10. Mai 1929,
Zahl PrZ. 1802/ 29 wurde das Areal der Kleingärten zum Parkschutzgebiet
erklärt. In den Jahren 1931 und 1932 wurde die Erneuerung der Innenzäune
bewerkstelligt. Dies erfolgte in Gemeinschaftsarbeit der Mitglieder und
erforderte trotzdem noch rund 35.000,- Schilling an Barmittel. Ein
wichtiger Punkt. Am 03. Juli 1939 wurde in einer Vereinssitzung
berichtet, dass es den Bemühungen aller beteiligten Stellen gelungen
sei, den Bestand der Zukunft zu sichern. Im gleichen Jahr wünschte der
Kleingartenverein Hagengrund den Zusammenschluss mit der Zukunft. Dieser
Kleingartenverein hatte seine Anlage zwischen der Stutterheimstraße -
Gablenzgasse und Camillo-Sitte-Gasse (heutiger Gemeindebau
"Elefantenhof") Im Oktober wurde dieser Zusammenschluss realisiert.
Während der Kriegsjahre wurde die Anlage von einem - durch den Gau
Wien - bestellten kommissarischen Vereinsleiter geführt. Nach Ende des
Krieges im Jahr 1945 wurde unter einer neugewählten Vereinsleitung mit
der Vereinsarbeit neu begonnen und die Kriegsschäden beseitigt. Endlich
ging ein lang ersehnter Wunsch der Mitglieder in Erfüllung, und es wurde
am 09. Mai 1949 zwischen der Republik Österreich, vertreten durch das
Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau, als Verpächter und dem
Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter als Pächter ein
neuer Pachtvertrag abgeschlossen.
Viel zu verdanken hat unsere Anlage dem damaligen Vizekanzler und
späteren Bundespräsidenten Dr.- Adolf Schärft. Dr. Adolf Schärf war,
nachdem er von seiner Mutter, Frau Magdalena Schärf, die Parzelle 77 in
der Gruppe V übernommen hatte, selbst ein begeisterter Schrebergärtner
und verbrachte viel Zeit in seinem Garen. Er setzte sich vorbildlich für
das Weiterbestehen der Anlage ein und wurde am 12. März 1961 zum
Ehrenmitglied unseres Vereines ernannt. Die Ehrentafel an unserem
Schutzhaus soll daran erinnern.
Im Juni des Jahres 1952 löste sich die Kleintiersektion des Vereines
auf. Der letzte Kleintier-bestand war folgender: 113 Hühner, 7 Hähne, 27
Kaninchen, 1 Ziege und 23 Bienenvölker.
Der Zustand der Außeneinfriedung machte im Jahr 1953 eine Erneuerung
notwendig, die in Eigenregie und mit selbst gefertigten Betonstehern
ausgeführt wurde. Ein großes Übel wurde in den Jahren 1967 und 1968
beseitigt. Die letzten Reste der "staubigen Schmelz" wurden beseitigt
und damit ging ein lang gehegter Wunsch der Mitglieder in Erfüllung.
Weil die bisherige Wasser-leitung nicht mehr den Ansprüchen gerecht
wurde, erfolgte im Jahr 1974 eine Neuverlegung. Im Jahr 2006 wurde eine
Abstimmung mit dem Ziel abgehalten eine Winterwasserleitung auf der
Schmelz zu installieren. Diese brachte eine extrem knappe Zustimmung.
Der Auftrag dafür wurde gemeinsam mit der Kompletterneuerung der
gesamten Vereinswege an eine Baufirma vergeben. Leider sind die
Bauarbeiten bis zum heutigen Tag noch nicht abgeschlossen.
Doch bei all diesen Ereignissen durfte das vordringlichere Problem
nicht außer Acht gelassen werden und dieses war die Umwidmung unserer
Zukunft von Parkschutzgebiet in EKl. Das heißt auf Erholungsgebiet
Kleingärten, und damit verbunden die endgültige Absicherung des
derzeitigen Bestandes. Das Wiener Kleingartengesetz vom 12. Dezember
1978 hatte im § 4 (2) die vorübergehende kleingärtnerische Nutzung mit
einer Dauer von 10 Jahren beschränkt. Nach dieser Zeit kann die örtliche
Magistratsbehörde auf Antrag diese Nutzung auf weitere 10 Jahre
verlängern. Um dieses Problem zu beseitigen, wurde die Vereinsleitung
1982 beauftragt, alle notwendigen Schritte für die Umwidmung der Anlage
einzuleiten. Der nächste wichtige Schritt erfolgte am 22. November 1985.
Der Wiener Landtag beschließt das Wiener Kleingartengesetz vom 12.
Dezember 1978 zu ändern! Nach Jahren des zähen Verhandelns und der
ständigen Sorge um die Verwirklichung war es endlich so weit.
Am 03. September 1987 um 10.45 Uhr hatte der Wiener Gemeinderat die
Umwidmung unserer Anlage von "Parkschutzgebiet" auf "Erholungsgebiet
Kleingarten" einstimmig beschlossen. Damit war endlich jene
Rechtssicherheit gegeben, die sich unsere Mitglieder durch Jahrzehnte
hindurch gewünscht hatten. die Voraussetzungen für die Umwidmung war die
Errichtung der Kanalisation und die Elektrifizierung der gesamten
Anlage. Mit der Umwidmung wurden auch die Bebauungs-bestimmungen der
einzelnen Parzellen von bisher 16m² auf 25m´² bei einer Gebäudehöhe von
3m und einer Firsthöhe von 5m geändert.
Von der Vereinsleitung und den Mitgliedern wurde diese neue,
gesetzlich abgesicherte Bestimmung sehr begrüßt, weil damit alle
bestehenden, aber nicht baubewilligten Kleingartenhäuser einer
nachträglichen Baubewilligung zugeführt werden konnten. Nach einer
geodätischen Vermessung wurde unsere Anlage am 03. September 1993 unter
der Zahl 1524 in das Grundbuch der Katastralgemeinde Fünfhaus
eingetragen. Aufgrund der Eintragung in das Grundbuch konnten über
Antrag die widerrufbaren Baubewilligungen (§71 WBO) auf die definitive
Baubewilligung (§70 WBO) umgewandelt werden

Bei der Generalversammlung am 09. September 1989 wurde der Beschluss
zur Vergabe eines Servitutsrechtes an die Gemeinde Wien gefasst. Dadurch
konnte am 17. Sept. 1991 ein Dienst-barkeitsvertrag zwischen der
Republik Österreich und der Gemeinde Wien abgeschlossen und dadurch die
Begrünung der Hauptwege durch die Bezirksverwaltung vorgenommen werden.
Ausgenommen aus dieser Regelung ist der Hauptweg bei der Guntherstraße
vom Schranken bis zum Schutzhaus.
Nachdem die rechtliche Situation der Umwidmung erfolgreich
abgeschlossen werden konnte, wurde 1992 die Außeneinfriedung in der
gesamten Oeverseestraße neu errichtet. Aufgrund des Umbaues der
Gablenzgasse (Bundesstraße 223) wurde 1993 eine Neuvermessung notwendig.
Damit war auch eine Erneuerung des Außenzaunes verbunden. Die
Bauarbeiten wurden von der Gemeinde Wien vorgenommen, die Kosten wurden
von der Bundesstraßenverwaltung getragen. Mit Beschluss der
Generalversammlung vom 20. November 1993 wurde ein neues Absperrsystem
für die Gangtüren beschlossen und dieses durch eine Fachfirma im Jahr
1994 eingebaut. Aufgrund einer Angleichung des Pachtschillings durch den
Grundeigentümer an die Sätze der Gemeinde Wien musste dieser erhöht
werden. Gleichzeitig wurde eine Nachzahlung für die Jahre 1994, 1995,
und 1996 eingefordert, wofür eine Summe von ca. 3,6 Millionen Schilling
erforderlich war, die im Jahr 1997 durch die Mitglieder erbracht wurde.
Aufgrund dieser Erhöhung wurde am 25. April 1997 zwischen der Republik
Österreich und dem Zentralverband der Kleingärtner eine Vereinbarung
abgeschlossen, die eine Unkündbarkeit bis zum 31. Dezember 2043
vorsieht.
Die Schmelz war und wird für die Zukunft ein unersetzbares
Luftreservoir für die von der Luftver-schmutzung und Lärmplage bedrohte
Großstadtbevölkerung sein. Die Erhaltung, Gestaltung und Pflege dieses
Erholungsgebietes liegt daher auch im öffentlichen Interesse und wird
stetes Anliegen der Mitglieder und der Vereinsleitung sein.

|