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Publiziert in www.wienweb.at
Report
Garten-Zwerge in der Großstadt
Kleingärten sind ein Stückchen
vom Land mitten in der Stadt. Immer mehr Wiener wohnen das ganze Jahr in
ihrem Kleingartenhäuschen. Und immer mehr wünschen sich auch so eine
Oase der Stille und Natur. Doch an einen Garten zu kommen, ist nicht
leicht.
Von Fredi Themel
Vor seinem kleinen Häuschen im Grünen in der Sonne liegen, Obst von
selbst gepflanzten Bäumen pflücken und dann bei einem feinen Gläschen
Wein mit Freunden und Familie den Abend genießen. Dieser kleine Traum
vieler Wiener lässt sich mit einem Schrebergarten sehr wohl innerhalb der
Stadtgrenzen verwirklichen. Oft sogar mit direkter U-Bahn-Anbindung ans
Zentrum.
Große Nachfrage nach kleinen Gärten
Doch die Nachfrage an Kleingärten - wie sie offiziell heißen - ist weit
größer als das Angebot. Knapp 25.000 solcher Gärten sind derzeit in
Wien vorhanden. "Jeder baut sich ein Schmuckhäuschen aus und gibt
das dann innerhalb der Familie weiter. Zurückgegeben werden kaum
welche", sagt Friedrich Hauk, Redakteur der Zeitung "Kleingärtner"
und selbst Obmann eines Kleingartenvereins.
Das verwundert nicht. Bei einem Rundgang in der ausgedehnten Anlage auf
der Schmelz im 15. Bezirk ist man einerseits erstaunt über die durchwegs
perfekt gestalteten Gärten und die schnuckeligen Häuschen. So etwas gibt
man ungern auf. Überraschend sind andererseits die vielen Neubauten, die
größer ausfallen als das klassische Schrebergartenhäuschen. Dazu
Biotope, Swimming Pools, Satellitenanlagen.
Trend zum vollwertigen Wohnen
"Die Kleingärten werden zunehmend zu vollwertigen Wohngebieten mit
Grünanschluss. Es handelt sich nicht mehr um einen Freizeitaspekt,
sondern um eine neue Wohnform für alle Bevölkerungsschichten",
beschreibt Daniel Maerki die sich wandelnden Beweggründe der Kleingärtner.
Er ist Geschäftsführer von "das fernlicht", einem auf das
Wohnen der Zukunft spezialisierten Unternehmen, und hat eine empirische
Studie über das Schrebergärtnern gemacht.
Nicht mehr das Gärtnern stehe im Vordergrund, sondern das Wohnen. Immer
mehr Kleingärtner bauen richtige Wohnhäuser. Seit 1992 darf man sein
Kleingartenhäuschen als Hauptwohnsitz anmelden. Laut Studie nutzen 28
Prozent ihren Kleingarten bereits das ganze Jahr über.
Lange Wartezeiten
Viele würden dies gern tun. Allein beim Zentralverband der Kleingärtner
liegen 4.000 Anmeldungen für einen Kleingarten vor. Dazu kommen die in
den 235 Kleingartenvereinen direkt angemeldeten Personen. Bis man an sein
Stückchen Grün in der Stadt kommt, muss man oft bis zu sieben Jahre
warten. Wer's geschafft hat, lässt sich seinen Traum ordentlich etwas
kosten. Zwischen 40.000 und 150.000 Euro müsse man für ein bestehendes Häuschen
hinblättern, meint Friedrich Hauk. "In meinem Verein hat jüngst
jemand 195.000 Euro für sein Häuschen im Grünen bezahlt."
Stadt Wien bevorzugt Wohnbau
Die Stadt Wien könnte dem Zentralverband der Kleingärtner mehr Grünflächen
übergeben, um die enorme Nachfrage zu befriedigen. Aus dem Büro des
Wohnbaustadtrats Michael Ludwig heißt es dazu allerdings, dass
Kleingartenanlagen nicht erstrangig behandelt würden. "Wien wächst
so schnell. Der Wohnbau für Familien genießt Vorrang. An Kleingärten
denken wir eher dann, wenn sich irgendwo etwas ergibt. Ein konkretes,
verpflichtendes Programm gibt es da nicht."
Verständlich: Ein durchschnittlicher Schrebergarten hat um die 300
Quadratmeter Fläche. Aus der Sicht des Wohnbaus ist ein Kleingarten nicht
wirklich effizient. Im mehrstöckigen Haus finden deutlich mehr Menschen
ein Heim. Aber wahrscheinlich nicht ihren kleinen Traum vom Stückchen
Land mitten in der Stadt.
Umfrage
Auf der Schmelz
Die Kleingartenanlage
"Zukunft auf der Schmelz" ist mit 659 Parzellen eine der größeren
Anlagen in Wien. Bei einem spontanen Lokalaugenschein hat wienweb.at mit
drei Schrebergärtnern über deren Beweggründe gesprochen.
Herr H.
Ich bin knapp 50 Jahre hier. Momentan gibt es in der ganzen Anlage nur
mehr fünf, sechs Leute, die so lange dabei sind. Ich werde den Garten
einmal an meine Nichte weitergeben. Ich komme vom Land, bin in den 1950er
Jahren nach Wien gezogen und wollte auf ein Stückchen Natur nicht
verzichten. Als Kriegsinvalide kommen für mich Aktivitäten wie Wandern
oder Sport nicht in Frage. Der eigene kleine Garten mit Obstbäumen und
Rosen ist der ideale Ausgleich zum Stadtleben. Ich bin Pensionist. Wo soll
ich sonst hin?
Herr und Frau B.
Wir sind seit gut 20 Jahren hier auf der Schmelz. Was uns daran gefällt,
ist einfach die Arbeit im Garten. Wir wohnen nicht weit entfernt. Da kann
man sich hier gut entspannen, und die Gemeinschaft mit den anderen
Schrebergärtnern ist auch schön.
Frau P.
Wir sind seit 13 Jahren Schrebergärtner. Ich muss sagen, ich habe das
ursprünglich für den Hund getan, damit der ein bisschen mehr rauskommt.
Aber ich arbeite auch gern im Garten, richte alles ums Häuschen schön
her. Es macht Spaß, hier zu sein. |
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